Juli 2012

LAVERDA 1000 Jota (1981)

Was als Liebe auf den ersten Blick angefangen hat, hat sich nach 31 Jahren zur "Time Machine" gewandelt. 1981 habe ich sie neu in Phoenix Arizona gekauft. Eigentlich wollte ich an diesem Tag eine Ducati SS900 mit Königswelle kaufen, aber der Händler hatte nur Pantahs und Darmahs bereit - aber keine heilige Königswelle. Dann habe ich im Augenwinkel plötzlich ein oranges Ding gesehen, das unscheinbar in einer Ecke stand. Es war eine Jota. Sogleich sind meine Ducati Gedanken verschwunden und mein Herz fing richtig an zu klopfen. Das war es! Es wäre mir absolut egal gewesen, wenn sie gegen 400 kg gewogen oder nur 40 PS geleistet hätte. Es war einfach diese umwerfende Optik. Glücklicherweise war sie dann laut Herstellerangaben doch "nur" 233 kg schwer und leistete immerhin ca. 85 PS. Ich musste also doch keinen Schiffsanker kaufen. Zuvor habe ich nur einmal einen Testbericht im Cycle World gelesen und hatte deswegen absolut keine Ahnung, was auf mich dazu kommt. Learning by doing! Das Fahrwerk war absolut super und dies auch im Vergleich mit der japanischen Konkurrenz. Die Einheiten für den amerikanischen Markt wurden aber mit einer sehr mageren Vergaserabstimmung ausgeliefert, so dass die Biester weniger Probleme machten bei der Abgasmessung. Dafür hatten sie Probleme beim Kaltstart und sind nie wirklich rund gelaufen. Ich hatte jedoch keinen direkten Vergleich und so dachte ich mir einfach, dass alles normal war. So fuhr ich das erste Jahr und war erst mal mehr als zufrieden.

Im zweiten Jahr habe ich mit dem Rennsport begonnen und die Jota war ein super Pferd zum Lernen. Das Fahrwerk war am Anfang völlig okay, aber als ich meine Geschwindigkeit langsam steigern konnte, musste ich die Gabel überarbeiten und andere Federbeine montieren. Am meisten Nacharbeit hat jedoch der Motor benötigt - sind mir wegen der mageren Vergaserabstimmung doch relativ rasch die Ventile verbrannt. Die Amis hatten ab Werk auch nur die A12 Nockenwelle verpasst bekommen, anstatt der C4s, welche in den UK Slater Bikes verbaut wurden. Nach einer großen Vergaser-Kur mit der Europa-spezifischen Abstimmung und einem Satz Nockenwellen von Axtell aus Kalifornien habe ich dann die nächsten zwei Jahre viele Rennstrecken in den Südweststaaten für mich und meine Gegner unsicher gemacht und ich muss ehrlich sagen, dass du erst richtig gelebt hast, wenn du eine Jota durch die Corkscrew der Rennstrecke von Laguna Seca hieven musstest. Two tons of fun!

Nach zwei Jahren Renn-Tortur beschloss ich, dass die Jota etwas Besseres verdient hat und sie wurde zu meinem Alltags-Motorrad für viele und lange Touren durch den Westen. 1988 war dann wegen der USAF ein neuer Standort angesagt und ich bin mit meiner Jota in Bitburg/Deutschland gelandet. Im Gegensatz zu den immens großen Vereinigten Staaten ist Deutschland und Europa für mich ein netter, kleiner Spielplatz und meine Jota ist ständig im Einsatz. Mehrmals fuhren wir zusammen durch ganz Frankreich und auch in zwei Wochen nach Gibraltar und zurück. Heute ist vor allem das Südtirol und fast jeden Passstraße in Richtung Breganze unsere zweite Heimat. Die große Verkleidung bietet einen perfekten Windschutz und das Verhältnis von Lenker, Sitzbank und Fußrasten passt super für mich - einfach ideal zum Kilometerfressen.

Über die vielen Jahre waren wir zusammen genau 150'000 Meilen (240'000 km) unterwegs. Der Tacho ist noch immer das originale USA-Stück mit dem Maximum bei 85 mph. Klar, dass durch die lange Übersetzung und die geraden Straßen in Arizona die 85 schnell mal überschritten waren, aber die Nadel hat das oftmalige Überdrehen schadenfrei überlebt. In der langen Zeit habe ich den Motor dreimal revidiert und jetzt auf 1200 ccm aufgebohrt. Dabei habe ich auch gleich 4C Nockenwellen, große Ventile und eine DMC eingebaut sowie das Fahrwerk mit Wilbers-Federbeinen und die Gabel mit Race Tech Emulators ausgerüstet. Alles funktioniert super und ist sehr zuverlässig. Ich denke, dies kann für die nächsten 150'000 Meilen auch so bleiben. Die Jota hast einen super Klang und Charakter - aber am allerbesten finde ich, dass ich jedes Mal, wenn ich auf den Sattel sitze, von neuem das Gefühl habe, wieder jung und frei zu sein. It’s a real Time Machine.

Bericht: Tom