November 2008

LAVERDA RGS 1000 Executive

Urs Haberstich

Man schrieb das Jahr 1985, als sich ein gut situierter, grossgewachsener Mann Ende vierzig, entschied, zu seinem Freizeitvergnügen eine exklusive, feuerrote Laverda RGS 1000 Executive zuzulegen. Voller Freude an der Sache pflegte und bewegte er die Maschine Jahr für Jahr – aus geschäftlichen Gründen nicht besonders oft und auch nicht allzu weit, aber doch regelmässig.

15 Jahre später, ich hatte gerade eine neue Arbeitsstelle angetreten, erschien genau dieser Herr in meinem Büro. Ich fragte mich im ersten Augenblick schon, ob ich vielleicht was falsch gemacht habe, dass so plötzlich ein Herr der Konzernleitung in meinen Büro steht, aber er sagte zu mir in einem freundlichen Ton: "Ich habe gesehen, dass Sie Laverda fahren!". Er erzählte mir, dass er selber auch noch im Besitze einer RGS 1000 sein, diese aber gerne verkaufen möchte. "Dieses Motorrad muss von einem etwas jüngeren Fahrer bewegt werden. Ich fahre seit kurzen eine Harley-Davidson und finde, die passt besser zu einem Mann mit 60." Erstaunt über das so spontan entstandene Gespräch sicherte ich ihm zu, bei der Käufersuche zu helfen. Ich selber hatte damals erst kurz vorher noch eine 750 SF gekauft und war daher etwas knapp bei Kasse. Wie versprochen hörte ich mich also ein bisschen um und fand schon bald einen valablen Käufer: René Zinggeler war ganz begeistert von diesem Motorrad und musste es unbedingt haben. Nur schon die stromlinienförmigen Koffer waren eine Exklusivität, welche man damals noch kaum auf der Strasse gesehen hat.


Wieder gingen acht Jahre ins Land. Ich hatte wegen mangelnder Rennambitionen kürzlich meine Ducati 851 verkauft und war auf der Suche nach einer Laverda zum Reisen als Ersatz. Da fuhr ich eines Abends wegen einem MFK-Aufgebot noch rasch bei Walti Steiner vorbei - und da stand sie wieder - die rote RGS 1000 Executive.
Ich schaute sie an und Walti fragte mich zu meinem Erstaunen, ob ich vielleicht Interesse hätte. "Weißt du, René will eine Harley kaufen und trennt sich deshalb von seiner RGS." Dies musste ich mir nicht lange überlegen. Noch am gleichen Abend rief ich René an und machte den Handel komplett.



Komfortausstattung: verstellbare Rasten



Inzwischen hat mich meine RGS bereits über 4000km zuverlässig über einige (Dolomiten-) Pässe getragen und ich bin überzeugt, dass ich einen würdigen, aber auch viel bequemeren Ersatz für meine Ducati besitze. Ich hoffe nur, dass ich sie in einigen Jahren nicht auch noch gegen eine Harley tauschen möchte…


Die Verbreiterung der Schale
hält die Hände trocken.





Eine wahre Ingenieursleistung: die Laverda-Kofferhalterung, leider lässt der Kofferinhalt etwas zu wünschen übrig.