Januar/Februar 2006

LAVERDA 750 SF3

Im zarten Alter von 18 Jahren studierte ich Töffkataloge wie so mancher Altersgenosse bis zum "Geht-nicht-mehr". Die aktuellen LAVERDA-Modelle Mitte der 70-er Jahre bestaunte ich mit leuchtenden Augen. Diese Motorräder waren für mich als Studenten aber absolut ausser Reichweite. Das höchste der Gefühle, das ich mir bei den damaligen Versicherungsprämien überhaupt leisten konnte, war eine 125-er Yamaha. Anfangs der Neunzigerjahre sah die Sache glücklicherweise wieder ganz anders aus, denn ich hatte mittlererweile ein Einkommen, die Kinder waren aus dem "Gröbsten" raus und die Prämien purzelten nur so herunter. Grosse Töffs waren für mich auf einmal wieder ein Thema. In der Zeitschrift Tierwelt lachte mir dann ein Inserat entgegen, das eine LAVERDA 750 SF3 anbot. Das Motorrad war lange nicht mehr gefahren worden, so dass eine echte Probefahrt unmöglich war. Ich kaufte die Maschine und begann mit der Restauration. Am meisten Arbeit hatte ich mit der Instandstellung der völlig blockierten Telegabel. Der Sattelüberzug war in Fetzen, diesen liess ich in Echtleder neu anfertigen. Weiter war auch eine Neulackierung von Tank, Seitendeckeln und Heckbürzel fällig. Im Fahrbetrieb nervte mich dann ein Klingeln oder Klopfen des Motors vor allem im Soziusbetrieb und bei hohen Lufttemperaturen. Das Verstellen des Zündzeitpunktes half nichts. Da ich so mit meinen Brüdern nicht mithalten konnte, verkaufte ich die Maschine an einen Kollegen und gönnte mir eine 1200-er LAVERDA.

Nun begann für die 750-er eine traurige Zeit. Dieser Kollege machte die Töffprüfung nie und so stand dieses Motorrad 10 Jahre lang herum, oft sogar draussen. Letztes Jahr nun fragte mich der Kollege, ob er mir diesen Töff zurückschenken dürfe. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen, und so begann die Restauration von Neuem, ausser dass der Töff in einem noch schlechteren Zustand war als das erste Mal. Die Gabel war wieder blockiert, so auch sämtliche Hydraulikteile der Bremsanlage. Der Tank war innen völlig verrostet, die Bremsscheiben ebenfalls. Der Echtledersattel konnte ich mit viel Lederpflege und Lederfarbe gerade noch retten. Die Blechteile – und dieses Mal auch der Rahmen - waren wieder fällig für den Lackierer. Mit dem Einbau einer DMC-Zündanlage und der Verwendung des in der Zwischenzeit erhältlichen Bleifrei-Superbenzins, sowie der Revision der Vergaser habe ich auch das Klopfen in den Griff gebracht. Trotzdem geniesse ich diesen Töff nur im Solobetrieb; denn für die Ausfahrten zu zweit habe ich ja die 1200-er.
 


Wieder in neuem Glanz! Wie kann man eine solche Maschine einfach vergammeln lassen? Eine der letzten in Breganze gebauten 750-er, auch heute noch schön zu fahren!


Kleine schlanke Auspufftöpfe, dazu war aber das voluminöse Verbindungsrohr unter dem Motor nötig.


Inox-Schutzbleche und die Brems-Sättel noch vor den Standrohren


die bewährten ND-Instrumente


die Typenbezeichnung einfach als SF (durch die Alu-Felgen, das Heckbürzel und die Scheibenbremsen aber eindeutig eine SF3)


ein schöner Klassiker, ab diesem Jahr bereits offiziell ein "Oldtimer"

 

Technische Daten

Motor

Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 360 Grad Hubzapfenversatz

Ventilsteuerung

1 obenliegende Nockenwelle

Bohrung x Hub

80 x 74 mm

Hubraum

744 cm3

Leistung

ca. 63 PS bei 6800 U/min

Drehmoment

ca. 74 Nm bei 5100 U/min

Getriebe

Klauengeschaltetes Fünfganggetriebe

Rahmen

Brückenrohrrahmen

Bremsen

Brembo Scheibenbremsen, vorne 2x 280 mm, hinten 1x 280 mm

Räder

Leichtmetall-Gussräder

Reifen

vorne 100/90 x 18, hinten 120/90 x 18

Gewicht

235 kg fahrbereit

Baujahr

1976

Edelbiker

Thomas Amiet