Bericht: Südtirolausfahrt / Dolomiten-Meeting 2008

Autoren

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Oscar Banz

Fotos:
Niki Frommelt
Jörg Strehler
Michi Merker

LCS Südtirolausfahrt und internationales LAVERDA Dolomiten-Meeting 2008
Freitag, 23.5.08 bis Montag, 26.05.08

Der Präsident rief, und alle, alle kamen. Oh nein, wir sind ja beim LCS, da übt man sich in vornehmer Zurückhaltung! Nach dem ersten Aufruf im April-Versand waren nur gerade 4 kümmerliche Anmeldungen für eine weitere Ausgabe der legendären Dolomiten-Ausfahrten eingetroffen. Aber beim Frühlingserwachen beim Ruedi Tanner konnten dann in gewohnter Manier (Arme verdrehen, Erpressung, Club-Ausschlussdrohung, usw.) weitere enthusiastische LCS’ler überzeugt werden, auch mitzukommen.

So trafen sich dann am Freitagmorgen gegen neun Uhr die tapfere Schar Laverdafahrer bei der Autobahn-Raststätte Heidiland: Präsi Urs Hunkeler, Jörg Strehler, Werner Jost, Andi Lauber, Godi Benz und sein Kollege Niki Frommelt (als Gast auf einer schönen Aprilia RSV 1000 Tuono) und der Schreiberling. Und mit 3 RGS Corsa war wieder einmal die weltweit höchste Corsa-Dichte unterwegs!

Die Basler Fraktion mit Ruedi Tanner, Thomas Amiet und Dölf Zimmermann brachte es nicht fertig, um neun Uhr im Sarganserland zu sein, denn sie wollten nicht so früh losfahren. Nach Plan Wollten sie sich erst in Meran zu uns gesellen.

So brausten wir dann zu siebt los, Landquart – Davos Richtung Flüelapass. Immer schön gesetzestreu, denn unsere Freunde und Fallensteller waren eifrig am Radar aufstellen. Naja, es ging gegen Ende Monat, da musste das Budget noch erfüllt werden!

Auf dem Flüela ragten noch mächtige Schneewälle links und recht der Strasse empor, und es wurde recht kühl. So blieb es auf der Passhöhe bei einer kurzen Fotosession. Nur ein frustrierter Autofahrer musste uns noch seinen Ärger mitteilen, weil wir ihn so frech überholten. Aber Achtung: der wackere Mann rühmte sich 15 Jahre Motorraderfahrung! Irgendwie hörten wir da Neid in der Stimme…

Sei’s drum, es ging runter in die Wärme und gleich wieder hoch auf den Ofenpass. Und wieder runter Richtung Müstair. Zum letzten Mal (relativ) günstig tanken, und schon waren wir in bella Italia. Wir konnten uns endlich der schönen Umgebung widmen, und nicht immer Ausschau halten nach ominösen schwarzen Kästen am Strassenrand! Durch das schöne Vinschgau, dann bei Lasa abzweigen. Unser Präsi als alter Spürhund fand das Restaurant "Sonneck" im Ortsteil Allitz ohne GPS und Karte! Und schon bald sass jeder vor einem Teller herrlicher Südtiroler Köstlichkeiten. Die Sonne strahlte uns an, die zuverlässigen Laverdas kühlten langsam ab, der Bauch füllte sich. Was will man mehr. Na was wohl: mehr fahren!!

So schwangen wir uns bald wieder auf die Töffs, und es ging weiter Richtung Meran. Dort konnten wir dank den unerschöpflichen Kontakten von Jörg Strehler eine der ältesten Bierbrauereien Italiens besuchen. Er kennt den Direktor der Brauerei, Walter Lombardi, welcher uns zur Betriebsbesichtigung begrüsste. Er übergab uns dann dem Braumeister Antonio Cesaro, welcher uns mit viel Wissenswertem versorgte während der Besichtigung.

Die Brauerei Forst wurde 1857 gegründet und wird heute in der 3. Generation geleitet! Die ganze Brauerei sieht von aussen wie ein verspieltes Disney-Schloss aus, aber drinnen war alles Hightech. Und erst die Zahlen:

  • Pro Tag werden 560'000 l Maische angerichtet.
  • Das Lager, in welchem das entstehende Bier während 7 Tagen gegärt wird, fasst 2 Millionen Liter - Anschliessend wird das Bier während ca. 3 Monaten gelagert. Dieses Lager fasst 16 Millionen Liter.
  • Die Flaschen-Abfüllmaschine kann pro Stunde 42'000 Flaschen waschen, abfüllen, verschliessen und etikettieren.
  • Eine andere Abfüllmaschine kann pro Stunde 1'000 Fässer à 30 Liter anfüllen.
  • Pro Jahr verlassen 700'000 Liter Bier die Firma, je zur Hälfte in Flaschen und in Fässer.

Dermassen beruhigt, dass uns das Bier in den nächsten Tagen nicht ausgehen wird, wurden wir noch zu einer Degustation eingeladen, wo wir frisch gezapftes Bier verköstigen durften. Braumeister Cesaro erzählte dann ein paar Anekdoten und auch die Schwierigkeit, in einem Wein-Land wie Italien Bier populär zu machen. Für ihn ist Bier eine kulturelle Köstlichkeit wie Wein, nicht Bölkstoff zum Abfüllen.

Als Andenken erhielt jeder LCS’ler feierlich einen Bierhumpen überreicht, der mit dem eigenen Namen und dem Anlass (LAVERDA 23.5.2008) verziert war! Im Humpen waren noch eine Flasche Bier, ein Flaschenöffner und ein Pin. All diese Geschenke, die überaus freundliche Betreuung und die sorgfältige Betriebsführung waren einfach überwältigend!

Damit war aber die Gastfreundschaft noch lange nicht beendet! Walter Lombardi lud uns noch in den firmeneigenen Braugarten ein. Dort wurden wir mit Tiroler Köstlichkeiten und natürlich Frost-Bier verwöhnt. Wir kamen uns wie VIP-Gäste vor, die nette Serviertochter las unsere Wünsche von den Augen ab.

Zusätzlich genossen wir das Nachtessen ebenfalls im Braugarten, und wieder waren die Getränke kostenlos!

An dieser Stelle nochmals ein riesiges Dankeschön an Walter Lombardi und Antonio Cesaro für die unvergesslichen Stunden, und natürlich auch an Jörg Strehler für das Einfädeln dieses Besuches!

Während wir so im Braugarten am Schmausen und Trinken waren (unser Hotel war nur gerade 100 m entfernt), stiess endlich Tom Eatman zu uns. Er war direkt aus dem Allgäu nach Meran gefahren, und als Texaner einem Bier auch nicht abgeneigt.

So langsam machten wir uns um die Basler Fraktion Sorgen. Wir begannen herumzutelefonieren, und endlich konnten wir Thomas erreichen. Er hatte betrübliche Nachrichten zu melden: Ruedi hatte auf dem Flüelapass gesundheitliche Probleme. So beschlossen sie, wieder umzukehren, in tiefere Gefilde. Im Rheintal fanden sie dann eine Übernachtungsmöglichkeit, und am nächsten Tag ging’s dann langsam wieder zurück nach Basel. An dieser Stelle gute Wünsche an Ruedi, und dass er bald wieder seinen Wettkampf für die Clubmeisterschaft aufnehmen kann.

Nach einer ruhigen Nacht im Hotel stand am Samstag die Fahrt nach Arabba an, mit ein paar Pässen dazwischen. Das Wetter war zuerst frisch und bewölkt, aber mit der Zeit konnte die Sonne die Wolken vertreiben, und es wurde warm. Von Meran ging’s in nördlicher Richtung durchs Passiertal Richtung dem nebelverhangenen Jaufenpass. Zuerst hatte es viel Verkehr, der dann langsam abnahm und wir zügiger vorwärts kamen. In der Nähe von Sterzing ging die Route dann wieder südlich über das Penserjoch und durch das Val di Pennes. In der Nähe von Sarentino rutschte Godi dann in einer Kurve aus und schmiss seine Laverda hin. Dummerweise ging dabei der Lichtmaschinendeckel in Brüche, und das Öl floss aus. Zusätzlich verletzte er sich noch an der Hand, so dass an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken war. Die Ambulanz brachte ihn nach Bozen ins Spital, wo Verletzungen an beiden Händen diagnostiziert wurden. Seine Frau holte ihn dann ab, und der TCS sollte die Laverda wieder in die Heimat holen.

Auch an dieser Stelle gute Besserung, und wir hoffen Dich bald wieder auf Deiner Laverda anzutreffen!!

So waren wir dann wieder 7 tapfere Laverdisti, welche den weiteren Weg nach Arabba unter die Räder nahmen. Unser Präsi hatte die engsten und kurvigsten Strässchen ausgesucht! Es ging nur noch rauf – runter – links – rechts – rauf – runter – usw. Absolut herrlich! Das Wetter hatte sich einigermassen gehalten, aber vor dem Passo Pordoi begann es dann doch zu nieseln. So fuhren wir wie auf rohen Eiern über den Pordoi, dessen neuer Asphaltbelag überall verdächtige Ölspuren aufwies. Doch unser Quantum an Abenteuern war für diesen Tag noch nicht gedeckt! Ein paar Kilometer vor Arabba gab das hintere Radlager von Urs’ Corsa seinen Geist auf. Aber humpelnd erreicht er mit seiner Laverda doch noch Arabba. Beim Hotel "Alberga Pordoi" wurden wir von Klaus und Michi begrüsst, die sich auf einer ausgedehnten Töfftour befanden.

Das internationale LAVERDA-Treffen in Arabba war leider sehr kümmerlich, denn Willi Werndl, der eigentlich mit einer grossen Schar Laverdisti kommen wollte, konnte nur gerade 3 weitere Motorradfahrer dafür alle mit Sozia überzeugen, aber keine davon war eine Laverda. Er beklagte sich denn auch über die mangelnde Bereitschaft der Laverda-Fahrer, sich zu einer Teilnahme verbindlich anzumelden und auch zu kommen. Zusammen mit den Ausfällen des LCS waren wir nur eine kleine Schar, die sich aber den Appetit nicht verderben liessen und im "Pordoi" ein feines Nachtessen genehmigten.

Am nächsten Sonntag war dann in Arabba der ganz grosse Zirkus angesagt. Zu Ehren des LCS, der Arabba als Etappenziel wählte, hatten sich die Organisatoren des 91. Giro d’Italia kurzfristig entschlossen, eine Etappe in Arabba zu beginnen!! (Naja, sind nur Gerüchte, aber schöne!). So gegen 10 Uhr begann sich die Strassen mit den riesigen Team-Bussen zu füllen, die obligaten Reklame-Autos fuhren mit plärrenden Lautsprechern Richtung Passo Pordoi, und Zuschauer säumten die Strassen. Bald sah man die ersten Rad-Profis auf den edlen Karbon-Rädern herumkurven zum Aufwärmen. Es war eine riesige Ansammlung von Radrennfahrern, offiziellen Giro-Fahrzeugen, Polizia ohne Ende, Zuschauer und Hobby-Rennfahrern auf den engen Strassen. Aber alles lief ohne Hupen und Hektik ab, alle genossen den Anlass. Um zwölf Uhr war dann der Start, der ganze Pulk fuhr los, gleich den Passo Pordoi hinauf! Kaum war der letzte Fahrer um die Kurve verschwunden, brach der ganze Zirkus auf zum nächsten Etappenziel. Es gab etwas Stau und viel manövrieren, aber nach 1 Stunde war wieder Ruhe in das Dörfchen eingekehrt.

Urs hatte in der Zwischenzeit, mit Hilfe von Chläusel und den Tipps eines Taxichauffeurs, einen richtig italienischen Landmechaniker aufgetrieben, der ein Radlager hatte. 1 Stunde später war seine Corsa wieder fahrbereit, und wir brachen noch zu einer Tour auf. Vorher verabschiedeten sich noch Werner, Andreas und Tom, die am Montag wieder in den Stollen mussten. So waren wir nur noch fünf, aber umso entschlossener, die schönen Dolomitenpässe mit dem LAVERDA-Sound zu erfüllen! Wieder hatten wir eine prächtige Tour mit unzähligen Kurven: Arabba – Passo di Campolongo – San Martino – Passo di Erbe – Val Gardena – Passo di Gardeno – Corvara – Passo di Campolongo – Arabba!!

Am Abend liessen wir uns wieder von der feinen Küche der "Albergo Pordoi" verwöhnen.

Am Montag hiess es dann Abschied nehmen von den Dolomiten und dem Südtirol. Auch Klaus und Michi setzten ihre Tour Richtung Deutschland fort.

Aber es warteten noch ein paar Leckerbissen auf uns: Passo Pordoi – Karrerpass – Bozen – Mendelpass – Fondo – Val Vermiglio – Passo del Tonale – Edolo – Aprica – Tirano und rein in die Schweiz. Dort liefen wir (natürlich) gleich in eine Polizeikontrolle hinein, aber die Kummerbuben waren zu beschäftigt und liessen uns unbehelligt…

Dann gab’s zum Dessert noch den Bernina- und den Julierpass, bevor es über die Lenzerheide wieder auf die Autobahn ging. Bei einer Raststätte hielten wir dann an, beglückwünschten uns zu dieser tollen Tour, sagten Tschüss bis zum nächsten Mal, und fuhren individuell nach Hause, wo alle gesund und müde eintrafen.

Kurzum, es war wieder einmal Töff fahren in Reinkultur mit Kurven bis zum Abwinken. Es gibt auch ein gutes Gefühl, in einer Gruppe zu fahren, denn sollte was passieren – und das tut es bei einer LAVERDA-Ausfahrt immer – dann sind gute Kollegen da, welche helfen.

Vielleicht ärgert sich jetzt der eine und andere beim Gedanken, etwas verpasst zu haben. Nächstes Jahr sind die Dolomiten und das Südtirol auch noch da, und wer weiss, vielleicht organisieren Urs und Jörg wieder etwas. Einfach lieb fragen…

An dieser Stelle ein dickes DANKESCHÖN an Urs und Jörg für die Organisation der Ausfahrt. Es gab viele Höhepunkte, genügend Aufregungen, so dass der Alltag nicht mehr so grau aussieht.

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