Bericht: 7. Internationales Laverda–Treffen in Breganze

Autor

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Arwed Bufe
Bruno Schleiss

7. Internationales Laverda–Treffen 23.–25. Juli 2010 in Breganze, Italien

Eindrücke von Bruno Schleiss:

Freitagabend so gegen 18:00 Uhr, auf der Piazza in Breganze stehen einzig drei Laverdas mit Schweizer Kennzeichen, die Motoren flirren und knistern noch vor Hitze. Obwohl die Sonne scheint, sind fast alle Stühle und Tische leer! Haben wir uns etwa im Termin geirrt? Findet kein Treffen statt?

Freitagmorgen, zwölf Stunden früher, das Nötigste an Gepäck für ein verlängertes Wochenende im warmen Süden ist auf der Atlas verstaut. Los geht’s, der Treffpunkt Heidiland sollte bis 08:00 Uhr von Luzern aus zu schaffen sein, die Wettervorhersage ist scheusslich, das Regenzeug kommt also wie immer zu unterst in den Seesack. Eine nasse Streifung gibt es einzig am Walensee, kein Grund zur Sorge. Arwed Bufe und Werner Jost sind pünktlich, von Andreas Lauber keine Spur, nach der akademischen halben Stunde nutzen wir die Regenpause und überwinden den Flüela- und Ofenpass auf trockener Strasse, die kurzen Gewittergüsse im Südtirol halten uns kaum auf. Dank Arweds Lederkombi komme ich auch zu meinen Rauchpausen, Regenkombi an und ab, nass wird’s auf jeden Fall, bei Regen von aussen, bei Sonne und Regenkombi von innen. Werner und mich im Goretex kümmert es wenig.

Bozen 14:00 Uhr, die Sonne brennt gnadenlos, wir entschliessen uns, statt auf der Autobahn über die Hügel zu fahren. Arweds Navi, das uns helfen sollte, den Weg über die Berge zu finden, will nach Hause, nach dieser Zusatzschleife lasse ich mich vom Gefühl leiten und fahre vorne weg, wir finden tolle verkehrsarme Strassen, bis wir auf die Schnellstrasse zwischen Trento und Basano di Grappa stossen. Zeit für einen Kaffee, erst da erreicht uns das SMS von Andreas, welches er bereits am Vorabend verschickt hat mit der Nachricht: "Eine 500 km breite Regenfront zieht über Europa, ich bleibe zuhause". Orange sei Dank für die verspätete Weiterleitung. Hätten wir das früher erfahren, wären wir wohl auch nicht gefahren! Die Gewitterzellen schiessen in die Höhe, es wird dunkler und dunkler. Der Entscheid, die Schnellstrasse zu nehmen für die restlichen 70 km, zeigt sich eine halbe Stunde später als glückliche Lösung. Sintflut, die Sichtweite reduziert sich auf 5 Meter in dieser Regenwand, etwas später finden wir eine Tankstelle, wo wir unterstehen und den Espresso geniessen können. Der Spuk ist vorbei, die letzten 20 km vor Breganze scheint wieder die Sonne, einzig grössere Wasserlachen am Strassenrand zeugen vom Vergangenen. Dies auch der Grund, weshalb die Piazza in Breganze noch so jungfräulich leer war.

Agroturismo Fortuna, der Besitzer, stellt eine Flasche Rotwein und Gläser auf den Tisch. Unser Italienisch reicht für prego und grazie, nach zwei Gläser Wein kapieren wir, dass Jörg Strehler die Zimmer auf das August Datum des LCS-Treffens reserviert hat, jetzt aber ist Juli und alles voll belegt. Gianni und Lucia Radin eilen uns zu Hilfe, bringen auch gleich Hansruedi Möri mit, der schon einen Tag früher angereist ist. Meine Atlas macht Zicken, irgendwo im Zündgeschirr hat sich Feuchtigkeit angesammelt, der linke Zylinder hat sich verabschiedet, so geht’s halt etwas langsamer mit dem Umzug ins Cunico nach Zugliano. Genug gefahren, eine Pizzeria um die Ecke, das reicht für heute. Wieder entladen sich über den Hügeln rund um Breganze heftige Gewitter, während wir das Essen und den Wein geniessen.

Samstag 09:30 Uhr, Traumwetter, nichts zu sehen von Andreas 500 km breiten Schlechtwetterfront über Europa. Die Piazza füllt sich langsam mit Laverdisti, die meisten aus Italien, es sieht so aus, als haben die Europäer ihr Pulver beim 60 Jahr Jubiläum verschossen. Es fehlen die Franzosen, die Holl- und Engländer, für die Deutschen reichen die Finger beider Hände locker und wir Schweizer bringen es auf ganze vier!

Monte Grappa 15:00 Uhr, die Aussicht ist rasend, die Lagune von Venedig schimmert türkisblau, dahinter in dunklerem blau die Adria. Ebenso die Kroatischen Berge als Fortsetzung der Dolomiten sind klar erkennbar. Noch nie haben wir solche Klarsicht auf dem Mt. Grappa erlebt. Das einzig betrübliche sind die zigtausend gefallenen Soldaten vom ersten Weltkrieg, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Wie krank muss der Mensch sein, um Solches zu vollbringen?

Emsig werden auf der Piazza Grande (nein, nein, nicht in Venedig), sondern unter dem markanten Turm in Breganze Tische und Stühle aufgestellt, die Leinwand und die Bühne für all die Ehrungen stehen schon bereit. Dieses Jahr findet das grosse Essen mitten im Städtchen statt. Blauer Himmel, vereinzelte Cumulus-Lenticularis (Linsenwolken) zeugen von den starken Winden in der Höhe, perfekter könnte das Wetter nicht sein. Mit zunehmender Dunkelheit zeigen sich mehr und mehr Sterne, der fette Mond gesellt sich dazu. Zwischen dem Essen die Ehrungen aller Honoratioren, auch die anwesenden Laverdafahrer werden nicht vergessen, aus jedem Jahrzehnt wird eine klassische Laverda ausgesucht und prämiert. Die Schweizer gehen als Sieger vom Platz, die Jota von Arwed und meine Rat-Atlas (als einzige Enduro vor Ort) heimsen Preise ein, der Abend ist gerettet, das ergibt eine Ausbeute für den LCS von 50%!

Sonntag 06:00 Uhr, wieder ist die Atlas bepackt, die 3 Stunden Schlaf müssen reichen, während Arwed, Werner und Hansruedi sich noch ihren Träumen hingeben, sie haben noch einen Tag länger zur Verfügung, wird es Zeit mich auf den Heimweg zu machen. Die Strassen sind noch leer, so komme ich zügig über den Passo Pian di Fugazze und das Südtirol wieder zurück in die Schweiz. All das ohne einen tropfen Regen! Wer nicht dabei war, hat echt was verpasst. Hoffentlich wird dieses Treffen auch im nächsten Jahr wieder stattfinden, reserviert euch das Datum, 3. Wochenende im Juli.

Bruno Schleiss


Eindrücke von Arwed Bufe:

Sonntag 08.00 Uhr: Hansrudi, Werner und ich werden gerade wach. Gemütlich lassen wir es heute angehen denn erst um 10.30 Uhr steht die Abfahrt zu Dario Farbris’ Self maintanance School mit Apero an. Dario hat eine etwas grössere Halle gemietet und dort Motorrad Boxen eingebaut. Die Boxen kann man mieten, sofern man keinen eigenen Platz hat, das Motorrad unterzustellen. Böse Zungen behaupten, das sei eine gute Möglichkeit, ein Motorrad vor der Ehefrau zu verstecken. Unter anderem kann man dort auch Hebebühnen mit Werkzeug mieten und selbst unter fachkundiger Anleitung schrauben. Dario ist auch ein leidenschaftlicher Laverda Sammler, vorallem die kleinen Modelle haben es im angetan. Er besitzt den noch einzigen Prototyp der BMW 800 GS, Laverda bekam ja Ende der 70er von BMW den Auftrag, 2 Geländemaschinen zu bauen mit einem Boxermotor. Der 1. Prototyp steht bei Dario, die zwei anderen mit leicht geändertem Rahmen wurden an BMW ausgeliefert.

Anschliessend wurden wir zum Mittagessen gebeten auf dem Weingut von Marco Saccardo. Mitten in der Poebene auf einem vielleicht 100 Meter hohen Hügel. Unter Pinien gab es alles, was Herz und Magen begehren. Natürlich auch jede Menge Wein. Werner und ich hielten uns zwangsläufig zurück, denn wir wollten ja noch in den Dolomiten übernachten und am Montagmorgen nach Hause fahren. Nach einem nicht ganz astreinen Abschied, wir mussten uns davon schleichen, denn Marco wollte uns unbedingt noch einen Torcolato (sehr gehaltvoller Dessertwein) kredenzen, der definitiv eine massive Beeinträchtigung unserer Fahrtauglichkeit zur Folge gehabt hätte. Hansruedi fuhr nach Breganze zurück, um dann mit den Buss den direkten Weg nach Hause zu nehmen, Werner und ich starten Richtung Dolomiten.

Nach einem Missverständnis am Passo di Rolle hatten wir uns verloren, und in Predazzo an einer Tankstelle wieder gefunden. In Canazei am Fuss des Pordoijochs wurde das Hotelzimmer bezogen. Am Montagmorgen ging es über den Passo di Pordoi, Passo di Campaniolo, Val Badia, Brixen, Jaufenpass, Timmelsjoch, Landeck, Arlbergpass zurück in die Schweiz. Das alles bei schönem trockenen Wetter, bis … 20 km vor dem Ziel musste ich doch noch das Regenkombi überziehen, dies war aber nur ein sehr kleiner Wermutstropfen für die alles in allem sehr gelungene LCS Ausfahrt.

Bis zum nächsten Jahr.

Arwed Bufe

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